Jetzt gilt es zu handeln! Einige unvermeidliche Anmerkungen zum Filderdialog

Plädoyer für Augenmaß und Weitsicht bei der Diskussion um die beste Lösung auf den Fildern

Pläne, Konzepte, Fragen, Flugblätter liegen neben brauchbaren Arbeitsmaterialien auf den Tischen der Teilnehmer der Filderdialoge. 121 Teilnehmer diskutieren beim zweiten Treffen engagiert über die vorgelegten Varianten.

Wichtige, namhafte Persönlichkeiten fehlen bewusst. Deshalb steht eine gewichtige Frage geradezu greifbar im Raum:

Sind da nicht Modelle dabei, die überhaupt nicht mit den Prämissen der Projektträger übereinstimmen, die beim ersten Dialog als feststehende Eckpunkte fixiert worden sind.

Sind da nicht Vorschläge dabei, die rechtsgültige Ergebnisse von fünf Planfeststellungsverfahren ignorieren.

Sind da nicht Pläne dabei, die geschlossene und rechtsgültige Verträge negieren?

Sind da nicht Überlegungen dabei, die trotz des getroffenen Volksentscheids die Grundfragen des Projektes neu aufwerfen?

Wenn der Filderdialog einen wirklichen Sinn haben soll, muss nun die Zielgerade der zwei Kernfragen eingeschlagen werden:

1.     Wie führen wir auf den Fildern die Bahnstrecken weiter, die vom Grundsatzbeschluss getragen, vom Tiefbahnhof im Talkessel auf die Filder nach Ulm führen und zuvor den Flughafen bedienen sollen?

2.     Wie führen wir die Gäubahn von Zürich über den Flughafenbahnhof zum Tiefbahnhof nach Stuttgart oder nach Ulm?

Die Aufgabe der Beteiligten (nicht des Moderators) ist es, sich zu einer Lösung unter Einbezug der Prämissen, Verträge und Beschlüsse zusammenzufinden, mit der möglichst viele nicht nur „leben“ können. Das Hauptziel der Projektpartner, Fern- Regional- und Nahverkehr zukunftsweisend  zu bauen, muss in seinen wesentlichen Grundzügen erkennbar bleiben.

Wenn die Beteiligten nicht erkennen,

dass sich die Bauherren nicht zum bloßen Ausbau der S-Bahn in einem riesigen Bereich zusammengetan haben, dass die Bauherren nicht zum Ausbau der Gäubahn von Herrenberg über Vaihingen nach Stuttgart angetreten sind und dass es nicht ihr eigentliches Ziel war, den Neckar-Alb-Regionalverkehr zu elektrifizieren.

Wer derart die Themen verfehlt, der macht sich schuldig, wenn am Schluss eigentlich erreichbare Ziele für die Filderbevölkerung, für die Region aber auch für den Fernverkehr  nicht mehr gefunden werden.

Unsere Aufgabe ist es doch, die übergreifenden Ziele im Auge zu behalten und dabei darauf zu achten, dass die Interessen der Anwohner, der Nutzer des Schienenverkehrs und der Betreiber gemeinsam beachtet werden.

Unsere Aufgabe ist es, die Funktionalität des Milliardenprojektes im Auge zu haben und dass es bei dieser Dimension auch für zukünftige Weiterentwicklungen geeignet ist und Potentiale bietet.

Optimale, uneingeschränkte Funktionalität des Schienenverkehrs und Schutz der betroffenen Anwohner sind zentrale Wünsche, die geäußert wurden und diese gilt es sicherzustellen!

Vor diesem Hintergrund ist es nicht nur ärgerlich, wenn taktiert und mit Nebelkerzen geworfen wird.

Während die einen noch immer die Verhinderung des Gesamtprojektes verfolgen, glauben andere, unübersehbare Mängel weg reden zu können. Und wenn das nicht mehr ausreicht, werden zusätzliche Höchstkosten aufgebaut unter Weglassung von Einsparungen und betrieblichen und volkswirtschaftlichen Vorteilen.

In den Diskussionen wurde stets anerkannt, dass von den Trassen, die den Prämissen gerecht werden, die Bündelungstrasse an der Autobahn am besten funktioniert, den schnellsten Bahnverkehr ermöglicht, den Mischverkehr mit sämtlichen Mängeln, Kosten und betrieblichen Risiken vermeidet und die besten Möglichkeiten für die Zukunft bietet (Verlängerung der S-Bahn nach Osten in Richtung Neuhausen, Einbindung der S1 und langfristig der Erweiterung des Fernverkehrs in Richtung Karlsruhe.

Der Schutz der Bevölkerung vor zusätzlichen Beeinträchtigungen wäre in Leinfelden-Echterdingen ebenso gewährleistet wie bei den Anliegern neben der Autobahn ob im Süden oder Norden, denn diese Trasse müsste zwangsläufig im Tunnel geführt werden.

Wer Funktionalität, einen reibungslosen Betrieb, Zukunftsfähigkeit sowie den Schutz der Anwohner gewährleisten will, kann der Führung der Antragstrasse mit einer zeitlich begrenzten Ausnahmegenehmigung bis 2035 nicht zustimmen. Bereits getätigte Investitionen zwischen Rohr und dem Flughafen müssten um- und z.T. sogar zurückgebaut werden. Wegen der Einschränkungen, müsste der Betrieb bei geringsten Problemen jeweils stillgelegt werden; Der Flughafen-S-Bahnhof müsste total umgebaut (Verlängerung des Bahnsteigs um 80 m, Anhebung der Gleistrasse für den Fernverkehr) und brandschutztechnisch neu „erfunden“ und genehmigt werden.

Die Rettungswege in den Tunnels zwischen Echterdingen und dem Flughafen (0,80m) sind zu erweitern und dennoch eigentlich zu knapp bemessen (1m statt 1,20m); die Gleisabstände sind zwischen Leinfelden und dem Flughafentunnel zu erweitern und man fragt sich, weshalb nicht auch im Tunnel? Nicht untersucht wurde  beim Stresstest die Funktionalität der S-Bahn im 15-min-Takt und mit Erweiterung nach Neuhausen.

Während sich bei der Antragstrasse Unwägbarkeiten der Kosten vor allem im Umbau des S-Bahnhofs ergeben, lässt sich die Autobahntrasse und der Bau des Flughafen-fernbahnhofs für den Fern- und Regionalverkehr ohne Eingriff in den bestehenden S-Bahnverkehr tätigen.

Kein verantwortlicher Geschäftsführer würde eine Großbaustelle in Angriff nehmen, ohne betriebswirtschaftliche Vorteile zu ermitteln und zu bewerten. Öffentliche Auftragsgeber sind zusätzlich gefordert auch volkswirtschaftliche Vorteile in Betracht zu ziehen und zu bewerten, und die Belange der Anwohner sind zu beachten und zu berücksichtigen. Wenn schon heute bei der Antragstrasse auf die 16. Bimsch verwiesen wird, nach der in L-E keine zusätzlichen Lärm- und Erschütterungsschutzmaßnahmen zu ergreifen wären, der kann sich in der Rosenstraße in Bernhausen erkundigen, welchen Schutz dieser gesetzliche Grenzwert bietet: In Bernhausen wurde dieser Wert von der S-Bahn eingehalten. Das Dumme war nur, in den Wohnhäusern wurde der Lärm gehört und die Erschütte-rungen wurden als sehr beeinträchtigend wahrgenommen, bis die Stadt Filderstadt, der Landkreis Esslingen und das Land Baden-Württemberg die Nachrüstung finanzierten..

Die Projektträger müssen auch deshalb verpflichtet werden, die Autobahntrasse zu wählen!

Es ist daher positiv, dass die Geschäftsführer des Flughafens ebenfalls einen Vorschlag entwickelt haben, der einen eigenen Flughafenbahnhof für den Fern- und Regionalverkehr vorsieht. Dieser Vorschlag eines zweistöckigen Bahnhofs auf der Flughafenstraße harmoniert  mit der Autobahnbündelungstrasse ohne Weiteres Die Geschäftsführer des Flughafens haben jedenfalls ein großes Interesse, dass der Umbau der S-Bahnstation am Flughafen nicht wie in der Antragstrasse vorgesehen, erfolgt, da diese Baustelle riesige Probleme mit sich bringt und ein hohes Kostenrisiko bedeutet.

Wie ist das mit den Kosten?

Die Mehrkosten der Autobahn-Bündelungstrasse (Tunnelführung) wurden von der Bahn hochgerechnet, ohne Einsparungen, betriebliche und volkswirtschaftliche Vorteile gegenzurechnen.

Dabei wurde außer Acht gelassen, dass diese Trasse bei einer Führung nördlich der BAB erst weit nach der Rohrer Kurve Zusatzkosten verursachen würde und dass die Mehrkosten im östlichen Bereich (Parallelführung südlich der BAB zur Stammtrasse) nicht entstehen, wenn auf der Nordseite die Autobahntrasse in der Nähe des Fildertunnelmundes eingeleitet wird und die Stammtrasse mitnutzt.

Ferner wurde ignoriert, dass beim Bau der Autobahntrasse die gesamten Umbaukosten im S-Bahnhof des Flughafens eingespart werden könnten, wie die Lärm- und Erschütterungs-Schutzmaßnahmen in Oberaichen und Leinfelden, wie die Umbauten de S-Bahngleise zwischen Leinfelden und dem Tunnel zum Flughafen, sowie die Umbaukosten der Fluchtwege (Erweiterung von 0,80 m auf 1,00 m),

Ignoriert wurde auch, dass eine Schließung der Strecke während des Umbaus nicht erfolgen müsste , und dass erhebliche betriebliche und volkswirtschaftliche Vorteile für den Bau der Autobahntrasse sprechen.

Bei allen Kosten muss auch noch der Faktor Zukunftsfähigkeit beachtet werden. Schließlich eröffnet diese Trasse weitere Chancen für die Zukunft: Entlastung des Straßenverkehrs innerorts auf den Fildern und auf der B27 und der Autobahn.

Walter Bauer, Filderstadt

weitere Informaionen

Interfraktioneller Antrag an die Stadt Filderstadt

ergänzender Antrag

Folie 1 zum Antrag

Folie 2 zum Antra

Folie 3 zum Antrag

Präsentation_zum_Filderdialog_